Ehrlich gesagt, schon das Wort Seniorentelefone finde ich recht seltsam. Klar, auf der einen Seite braucht es eine Bezeichnung, unter der sich verschiedene Merkmale von Produkten zusammenfassen lassen, hier zum Beispiel "einfach zu bedienen", "gut zu sehen und/oder gut zu hören", eventuell "mit Notrufeinrichtung". Auf der anderen Seite bedeutet so eine Bezeichnung wie Seniorentelefon immer auch: "Seht her, ihr könnt nicht mehr benutzen, was alle benutzen, ihr braucht jetzt spezielle Telefone, weil ihr alt seid und weil ihr mit den normalen und alltäglichen Dingen nicht mehr klarkommt." Wenn Menschen feststellen, dass sie die Dinge, die bisher selbstverständlich waren, nun nicht mehr gut oder gar nicht mehr können, kann das jedoch eine sehr schmerzhafte Entdeckung sein, die durch unerwünschte Geschenke dieser Art noch verstärkt werden kann. Mein Großvater weigerte sich zum Beispiel jahrelang, ein Hörgerät zu tragen, und reagierte ausgesprochen unwirsch, wenn wir mal wieder versuchten, ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen. Wer gesteht sich und anderen schon gerne ein, dass er etwas nicht mehr kann? Nicht immer reagieren wir wohlmeinend-besorgten Angehörigen dann mit dem nötigen Einfühlungsvermögen. Gerade wenn Menschen in unseren Augen hilflos erscheinen, fühlen wir uns schnell geneigt, Ratschläge zu verteilen a la "Das solltest du jetzt wirklich mal tun..." Rat-Schläge sind manchmal auch Schläge, da ist es gut, vorher zu überlegen, was denn dieser Ratschlag mit diesem Menschen anstellen könnte. In welche Sorgen, Nöte und Ängste unser gut gemeintes Geschenk ihn vielleicht bringen könnte, und wie wir es schaffen, den Willen der Menschen zu respektieren und konstruktiv und wertschätzend auf ihre Nöte einzugehen, bevor wir Ihnen vor den Kopf stoßen. Danach lässt sich ein Seniorentelefon viel besser schenken - in jeder Hinsicht.