Seniorentelefone gut verschenken

Ehrlich gesagt, schon das Wort Seniorentelefone finde ich recht seltsam. Klar, auf der einen Seite braucht es eine Bezeichnung, unter der sich verschiedene Merkmale von Produkten zusammenfassen lassen, hier zum Beispiel "einfach zu bedienen", "gut zu sehen und/oder gut zu hören", eventuell "mit Notrufeinrichtung". Auf der anderen Seite bedeutet so eine Bezeichnung wie Seniorentelefon immer auch: "Seht her, ihr könnt nicht mehr benutzen, was alle benutzen, ihr braucht jetzt spezielle Telefone, weil ihr alt seid und weil ihr mit den normalen und alltäglichen Dingen nicht mehr klarkommt." Wenn Menschen feststellen, dass sie die Dinge, die bisher selbstverständlich waren, nun nicht mehr gut oder gar nicht mehr können, kann das jedoch eine sehr schmerzhafte Entdeckung sein, die durch unerwünschte Geschenke dieser Art noch verstärkt werden kann. Mein Großvater weigerte sich zum Beispiel jahrelang, ein Hörgerät zu tragen, und reagierte ausgesprochen unwirsch, wenn wir mal wieder versuchten, ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen. Wer gesteht sich und anderen schon gerne ein, dass er etwas nicht mehr kann? Nicht immer reagieren wir wohlmeinend-besorgten Angehörigen dann mit dem nötigen Einfühlungsvermögen. Gerade wenn Menschen in unseren Augen hilflos erscheinen, fühlen wir uns schnell geneigt, Ratschläge zu verteilen a la "Das solltest du jetzt wirklich mal tun..." Rat-Schläge sind manchmal auch Schläge, da ist es gut, vorher zu überlegen, was denn dieser Ratschlag mit diesem Menschen anstellen könnte. In welche Sorgen, Nöte und Ängste unser gut gemeintes Geschenk ihn vielleicht bringen könnte, und wie wir es schaffen, den Willen der Menschen zu respektieren und konstruktiv und wertschätzend auf ihre Nöte einzugehen, bevor wir Ihnen vor den Kopf stoßen. Danach lässt sich ein Seniorentelefon viel besser schenken - in jeder Hinsicht.

Telefone für Senioren

Seit neuestem bin ich stolzer Besitzer eines Smartphones. Smart, also schlau, ist dieses Telefon deshalb, weil es neben dem eigentlichen Telefonieren noch gefühlte 100.000 Dinge tun kann. Das ist schön und sehr begrüßenswert, macht aber die Bedienung zu einer komplizierten Angelegenheit. Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, um mit diesem Hochleistungsendgerät tatsächlich zu telefonieren; das Versenden einer SMS hat mich einen Großteil meiner Tagesnerven gekostet. Bevor ich es vergesse: Es liegt wohl kaum am mangelden Technikverstand- Ich bin ausgebildeter Informatiker! Wenn ich bei diesem ganzen Schnickschnack manchmal schon verzweifle, wie geht's denn all den Leuten, die sich nicht den ganzen Tag mit diesem Zeugs beschäftigen? Was ist überhaupt mit den Menschen, die all diese bunt blinkenden Teile gar nicht mehr richtig bedienen können? Weil sie vielleicht nicht mehr gut gucken, die auch für gute Ohren immer zu leisen Klingeltöne nicht hören oder bei wackeligen Mini-Tasten nicht mehr treffen? Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Telefonen, die versprechen, genau für diese Zielgruppe ausgerichtet und in der Bedienung besonders einfach zu sein: die sogenannten Seniorentelefone. Meist sind es dann die Kinder, die Enkel oder auch Nichten und Neffen, die sich mit diesen Dingen auseinandersetzen, schließlich wollen sie den Menschen, die ihnen viel bedeuten, das Leben ein wenig leichter machen. Doch egal, wer das Seniorentelefon letztlich aussucht, eine Frage ist dabei immer von entscheidender Bedeutung: Was genau braucht genau dieser Mensch und was genau bietet das Gerät?